Was sind Irrwege? Was bedeutet Irren?
Die Lateiner unter uns wissen es schon: „Errare humanum est, perseverare autem diabolicum“ ist ein bekanntes lateinisches Sprichwort, das Seneca (röm. Philosoph, 1-65 n.Chr.) zugeschrieben wird. Übersetzt bedeutet es: „Irren ist menschlich, aber auf Irrtümern zu bestehen, ist teuflisch.“ Es besagt, dass Fehler machen zur menschlichen Natur gehört, das bewusste Festhalten an ihnen jedoch als böswillig oder töricht gilt.
Von Cicero (röm. Philosoph, 106 – 43 v. Chr.) stammt der Ausspruch „Cuiusvis hominis est errare“ – Jeder Mensch kann irren. Irren ist also ein zutiefst menschliches Phänomen.
Sprachlich leitet sich das Adjektiv „irre“ vom mittelhochdeutschen irre und dem althochdeutschen irri ab, was ursprünglich „verirrt“, „verwirrt“ oder „abwegig“ bedeutete. Abwegig könnte dann wohl bedeuten, dass wir einen Irrweg eingeschlagen haben, einen falschen Weg.
Gibt es überhaupt falsche Wege?
Was sagt die Bibel? In Jesaja 53,6 lesen wir „Wir alle irrten umher wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging seinen eigenen Weg.“. Manfred Siebald textete dazu: „Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht. Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht.“
Irren wir uns, wenn wir uns für einen Weg entscheiden, begeben wir uns also auf einen Irrweg? Ist das wirklich so? Was sind Irrwege? Sind es falsche Wege? Gibt es falsche Wege? Was, wenn die eingeschlagenen Wege eines Lebens enden und plötzlich Neues vor uns liegt? War dann der bisherige Weg der falsche?
Ich glaube Jesus denkt so nicht. Er ist so nicht und sein Blick auf uns weicht von diesem Bild weit ab. In Jesaja 40,11 heißt es „Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte; die Lämmer wird er in seinen Arm nehmen und im Bausch seines Gewandes tragen; die Mutterschafe wird er sorgsam führen.“ Ist der Sinn unseres Lebens nicht ihn, Jesus zu finden in der bunten Vielfalt unserer Wege, die so geplant und ungeplant sein können, wie wir unterschiedlich denken? Und wenn wir ihn gefunden haben, leben wir ein Leben lang auf dem Weg zu erkennen, dass wir ohne ihn nie ankommen, nie wirklich bei uns selbst landen, und vielleicht erkennen wir sogar, dass wir uns ihm nie wirklich ausgeliefert haben.
Tatsächlich ist er der Herr unseres Lebens, ob wir ihm vertrauen oder nicht, ob wir ihn gerade spüren oder nicht. Er steht Zeit unseres Lebens mit uns in unseren Situationen und bietet uns an, ihm zu vertrauen, von ihm geführt und sogar getragen zu werden. Er ist Liebe, ganz und gar, ohne Falsch, ohne Hintergedanken. Er will unser Bestes. Römer 8,28 „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“. Können dann unsere Wege Irrwege sein?
Geführt statt verirrt – ihm anvertraut
Ihr ahnt es, ich glaube NEIN! Gehören wir ihm, dann führt er uns auf unseren Wegen zu sich. Im Psalm 23 lesen wir es: Er ist unser Hirte, uns mangelt nichts, er führt zur grünen Au, zum frischen Wasser, auf rechter Straße, er erquickt, er ist bei uns, er tröstet, er bereitet den Tisch, er salbt, er schenkt, er (Gnade und Barmherzigkeit) folgt uns, usw.…Wir dürfen wie Hiob erkennen, wie sehr er der Herr ist und wie sehr er uns liebt: Hiob 42,5 „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen.“
Gott ist Liebe. Die Wege unseres Lebens führen uns zu ihm.
Entscheidend ist dabei, dass wir uns ihm anvertrauen, ganz und gar, ohne Angst, ohne Scheu, ohne Scham. Er macht alles neu, sagt unsere Jahreslosung. „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) Nehmen wir ihn beim Wort, lassen los, vertrauen ihm und beginnen zu staunen, was er aus unserem Leben macht: Epheser 2, 10: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“
Machen wir uns auf den Weg zu ihm
AMEN



Autor: Hans-Walter Geist
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