Wenn die Sehnsucht nach Wahrheit in die Irre führt
In einer Gruppenstunde von meiner Jugend ging es um das Thema Irrlehre, und ich machte mit meinem Mitarbeiter ein kleines Experiment. Während ich mein Thema hielt, grätschte er mir immer wieder rein, widersprach mir und verbreitete Fakenews. Dieser Mitarbeiter war stets ein Vorbild für meine Jugendlichen und ein sehr guter Schauspieler. Am Ende der Einheit, habe ich gefragt, ob sie ihm geglaubt haben. Sie nickten bejahend, und als ich die Täuschung auflöste, waren sie entsetzt. Ihre Lehre war: Prüft, wem ihr glaubt, denn Irrlehre lässt sich einfach verbreiten. Ich glaube, dieser Jahrgang hat schnell verstanden, dass man nicht jedem glauben sollte, der authentisch christliche Lehren vermittelt. Dennoch schockierend, wie leichtgläubig sie waren. Doch genau dieses Phänomen erleben wir in der heutigen Generation extrem.
Die Macht und Gefahr der Influencer
Das, was mein Lieblingsinfluencer erzählt, muss wahr sein.
Bei einer Studie (The American Bible Society, State of the Bible, 2023 und Barna, The Open Generation) kam heraus, dass es Gen Z wichtiger ist, dass der Glaube ehrlich vorgelebt wird, als korrekt ist.
Ein authentisch vorgelebter Glaube, wird wichtiger erachtet, als die biblische Fundiertheit.
Das ist erschreckend, und wenn ich sehe, wie manche Christfluencer oder Sinnfluencer (so nennen sie sich gerne) richtend und hasserfüllt gegen andere Influencer aussagen, sich gegenseitig den Glauben absprechen und mehr Hass als Nächstenliebe vorleben, sorge ich mich um diese Generation.
Denn es gilt: Wer den Glauben besser vermarktet, der hat den richtigeren Glauben. Mal von dem kapitalistischen Ausbeuten „gutgläubiger” Christen abgesehen, was leider auch häufig mit inbegriffen ist, wird ihnen ein falsches Bild von Christsein und Glauben vermittelt. Entweder haben wir einen liebenden Gott, der so verwaschen wird, dass es völlig egal ist, wie man lebt und was man tut, oder wir erleben einen so hart richtenden Gott, dass man sich kaum vorstellen kann, dass er fähig ist zu lieben.
Keine Glaubensvorbilder, sondern Glaubensvorleber
Auf der Suche nach Wahrheit, werden Jugendliche von dem einen Influencer zum anderen geworfen, und das Ergebnis ist ein Glaube, der auf Hören und nicht auf Wissen basiert.
Daher schule ich meine Jugend und sage ihnen regelmäßig, dass sie überprüfen sollen, was sie hören – selbst mich. Denn ein jeder kann sich mal irren und Fehlinformationen weitergeben.
Außerdem merke ich, dass es immer schwieriger wird, die Bibel näherzubringen. Die immer kürzer werdende Aufmerksamkeitsspanne ist eine Herausforderung. Dennoch sind wir alle dabei, bibelfester zu werden, und das Stück für Stück, jeder in seinem Tempo.
Ich persönlich beschäftige mich mit den Medien, welche christlichen Social-Media-Kanäle beliebt sind, welche Personen viel Einfluss nehmen, und versuche bei Auffälligkeiten meine Jugend darauf aufmerksam zu machen.
Ich denke, eine Möglichkeit, Jugendlichen aus der Irre herauszuhelfen, ist, sie zu schulen und seinen Glauben ebenfalls authentisch und ehrlich zu leben.
Ich merke, dass es immer wichtiger ist, Schwächen im Glauben zu zeigen und sie offen anzusprechen. Junge Menschen suchen nicht mehr nach Glaubensvorbildern, sondern nach Glaubensvorlebern, und da können wir alle mitwirken. Schenken wir jungen Menschen ein authentisches Vorleben, mit christlich-biblischer Fundiertheit.
Gemeinsam Bibellesen und über die Inhalte im Gespräch sein, ist wichtiger denn je, und das nicht nur lehrhaft, sondern lebensnah.
Meine Jugendlichen wollen grundsätzlich wissen, was der Bibeltext mit ihnen persönlich zu tun hat. Es geht nicht um reines Verständnis, sondern um eine Anleitung zur Lebensintegrierung.
Auch beim JAM Festival hatten Jugendliche die Möglichkeit, dem Prediger Fragen zu stellen. Dort war ich überrascht, wie viele tiefgründige Fragen über den Glauben gestellt wurden. Wir werden die übriggebliebenen Fragen in unserem Podcast JAM Moments aufgreifen und nachträglich beantworten. Die Suche und die Sehnsucht sind da, wir müssen nur für Antworten und Hilfe bereit sein.
Fazit
Jugendliche sehnen sich nach Ehrlichkeit, und auf der Suche nach der Wahrheit begegnen ihnen viele Wege, Worte, Hindernisse und Lebensstile. Alle klingen verlockend und glaubwürdig. Es ist ein Leichtes, heutzutage in die Irre geführt zu werden.
Als Eltern, Großeltern, Gemeinde, und Hauptamtliche stehen wir in der Verantwortung, ihnen eine Stütze zu sein und auf DEN zu verweisen, der die Wahrheit ist. Dabei stehen wir vor der Herausforderung, ehrlich und nahbar zu sein und nicht nur belehrend. Wenn wir auf diese Suche richtig reagieren, dann wird aus der Suche ein Finden, und das würde mich persönlich sehr glücklich machen.
Denn die Suche nach Orientierung, nach dem richtigen Lebensstil, nach Spiritualität war lange nicht mehr so hoch. Das ist eine große Chance, aber eben auch eine große Verantwortung. Doch ich bin mir sicher, dass Gott etwas Gutes daraus machen kann.



Autorin: Anna-Lisa Wissenbach
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